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Bonn, 22.12.15

Themenschwerpunkt Dekarbonisierung im Verkehrssektor durch Biokraftstoffe

Die Weltstaatengemeinschaft sendet mit dem Klimavertrag von Paris hinsichtlich der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft ein starkes Signal. Der Grundsatz für einen Umbau von einer auf fossilen Energiequellen dominierenden Energiewirtschaft hin zu einer Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern und -quellen wurde am vergangenen Wochenende beschlossen. Dies betrifft besonders den Verkehrssektor, der weltweit weiter zunimmt und ein Indikator für die wachsende Wohlstandsentwicklung ist. Heute trägt der Verkehr etwa 14% zu den gesamten Treibhausgasemissionen bei. Der verstärkte Einsatz von Biokraftstoffe ist nicht nur eine Frage der EU-Politik, sondern bereits in vielen Staaten Nord- und Südamerikas und auch Asiens Gegenstand der Ressourcen- und Dekarbonisierungsstrategie.

Neben den international marktetablierten Biokraftstoffen wie Biodiesel- und Bioethanol steht mit der sogenannten zweiten Generation Biokraftstoffe mittelfristig eine weitere Option für die Dekarbonisierung zur Verfügung. Jedoch bedarf es noch Technologieentwicklungen, die vor allem Kosten- und Treibhausgaseffizient dieses Biomassepotential heben. Denn auch für diese Biokraftstoffe gilt ein Schwellenwert von 60% Prozent Treibhausgasminderung als Voraussetzung für den Marktzugang in die EU. Überdies stehen zur Ausnutzung nicht ausgeschöpfter Windkraftpotentiale nicht biogene Quellen für die chemische Bindung von CO2 und Form von Power-to-Gas oder Power–to Liquid in der Entwicklung.  

Im Rahmen des 13. Internationalen Fachkongresses „Kraftstoffe der Zukunft 2016“ werden in verschiedenen Vorträgen  unterschiedliche neue Technologieansätze zur Produktion von neuen Biokraftstoffen vorgestellt.

Dr. Henrique Pacini (Economic Affairs Officer - United Nations Conference on Trade and Development UNCTAD) präsentiert im Eröffnungsplenum die Ergebnisse der UNCTAD-Studie “The state of the biofuel market: Regulatory, trade and development perspectives”. Darin werden die Entwicklungsperspektiven,  Marktzugänge und Förderkonditionen von Biokraftstoffen der ersten und zweiten Generation verglichen. In einem zweiten Schritt werden unterschiedliche Wege zur Produktion von marktfähigen neuen Biokraftstoffen dargestellt und deren Umsetzung in den unterschiedlichen Weltregionen beschrieben. Über einen Technologie-Transfer in Schwellen- und Entwicklungsländer stellen diese Technologien eine große Chance für deren zukünftige Energieversorgung dar. Anhand der Klassifizierung neuer Biokraftstoffe nach Ausgangsrohstoff oder eingesetzter Prozesstechnologie zeigt der Vortrag, z.B. beim Vergleich der Förderbedingungen in den USA und in Europa, weltweit unterschiedliche Förderstrategien auf. Weltweite Produktionskapazitäten werden in Bezug gesetzt zur tatsächlichen Produktionsmenge, die trotz teilweise vorhandener Marktreife, deutlich unter der eigentlichen Anlagenkapazität liegt. Anhand der Studienergebnisse lassen sich langfristige Handlungsnotwendigkeiten ableiten, die zu einem stetigen und technologieoffenen Ausbau ökonomisch sinnvoller Ansätze führen und für Entwicklungsländer eine Entwicklungschance darstellen.

In einem eigenen Themenforum widmen sich am zweiten Kongresstag mehrere Referenten dem komplexen und vielseitigen Themenfeld. Birger Kerckow (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe – c/o Biofuels Technology Platform) stellt zunächst das internationale Netzwerk  „Biofuels Technology Platform“ vor, das die Entwicklung von wettbewerbsfähigen Biokraftstoffen fördert und deren Entwicklung In Europa vorantreibt. 

Dr. Sean Simpson (Mitgründer und leitender Wissenschaftler - LanzaTech USA) präsentiert die  Möglichkeiten der Gasfermentation für die Kraftstoffproduktion und die Biokraftstoffproduktion durch Kohlenstoff-Recycling. Hierbei wird aus Wasserstoff und  Kohlenstoffdioxid  oder Kohlenstoffmonoxid  Methan erzeugt.

Einen ersten Erfahrungsbericht aus der ersten kommerziellen Power-to-Gas-Praxisanlage mit biologischer Methanisierung stellt Thomas Heller (MicrobEnergy GmbH) vor. Hierbei wird Methan, das mithilfe eines biologischen Verfahrens aus regenerativem Überschussstrom hergestellt wird, als Kraftstoff genutzt.

Ralf Türck (Tecosol GmbH) verweist in seinem Vortrag auf die technischen Herausforderungen im Recycling von biogenen Abfällen zu Biokraftstoffen. Biogene Rest- und Abfallstoffe, z.B. aus der Landschaftspflege, der Bioabfallsammlung, der Abwasserbehandlung oder der Industrie können zur Biokraftstoffproduktion genutzt werden.

Dr. Franziska Müller-Langer (Deutsches Biomasseforschungszentrum) vergleicht abschließend die herkömmlichen Prozesse der Biokraftstoffproduktion mit dem Power-to-Liquid-Prozess zur Produktion flüssiger Kraftstoffe aus Kohlenstoffdioxid und Wasser. Für die Herstellung von entsprechenden Kraftstoffen wird der Verbrennungsprozess umgekehrt: Den Verbrennungsprodukten Kohlenstoffdioxid und Wasser wird Sauerstoff entzogen. Anschließend werden sie zu Kraftstoffen synthetisiert. Dafür bedarf es des Einsatzes erneuerbaren Stroms.

 

Kontakt:
Bundesverband Bioenergie e.V.
Markus Hartmann
Tel.: 0228/8100222
info (at) bioenergie.de